Der Zentralvieh- und -schlachthof Berlin

   
Etwas sperrig kommt er ja schon daher, der ehemals offizielle Name des Geländes, doch spiegelt sich im Namen auch seine Bedeutung für das Berlin der Hochindustrialisierung:

Er war zentral, Gesetze aus den Jahren 1868 und 1883 ließen Schlachtung und Fleischbeschau auf kommunalen Schlachthöfen obligatorisch werden. Ab dieser Zeit war in Berlin das Schlachten nur noch hier erlaubt, die hygienischen Missstände in den zahlreichen privaten Schlachtstätten sollten mit dem Vieh- und Schlachthof der Vergangenheit angehören.

Rinder, Kälber, Hammel und Schweine wurden zunächst lebend auf dem Viehhof angeliefert. In ganzen Zugladungen kamen sie aus den östlichen Provinzen des Reiches, um an den Markttagen verkauft zu werden.
Nach dem Verkauf wurden sie auf den Schlachthof getrieben, geschlachtet, zerlegt und auf dem Fleischmarkt auf dem Alexanderplatz an die Berliner Fleischer verkauft.
     
Aufstieg und Ende des Bauchs von Berlin

In den folgenden Jahrzehnten sollte er der „Bauch von Berlin“ werden, erst die Zerstörungen des II. Weltkriegs unterbrachen diese stürmische Entwicklung, in der er zwei Mal erweitert wurde. Nach dem Krieg lief der Betrieb nur noch auf diesen beiden Erweiterungsflächen weiter, die Funktion des Handels war in der Planwirtschaft überflüssig geworden, mit der Wende kam das baldige Aus nach über einhundert Jahren.

Neues Leben in alten Gemäuern

Zurück blieben die steinernen Zeugen dieser Epoche Berliner Industriegeschichte. Visionen wurden für das Gelände entwickelt, der olympische Geist wehte sogar kurz um Rinderstall und Schweineschlachthaus. Seit der Jahrhundertwende entsteht ein neuer Teil von Prenzlauer Berg, der von Handel und Wohnen geprägt ist. Zahlreiche Hallen mussten den neuen Planungen weichen, ein Teil wurde aber erhalten und dient heute verschiedenen Zwecken. Der Transformationsprozess ist aber noch nicht abgeschlossen, alte Hallen und Freiflächen warten auf eine neue Bestimmung.

Das Projekt „Schlachthof Berlin“

Diese Seite zeigt auf einem Rundgang die Geschichte und die Veränderung des Geländes: An zwölf Stationen informieren kurze Texte und zahlreiche Abbildungen, an jeder Station gibt es noch eine zweite Seite mit weiteren Informationen. Sie können diese Tour zu Hause am Bildschirm unternehmen oder aber sich vor Ort mit Smartphone oder Tablet informieren. Das Museum Pankow bietet auch Führungen auf dem Gelände an. 

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